Sexuelle Belästigung im Internet

Allgemeines

Als sexuelle Belästigung gilt jedes sexuell motivierte Verhalten, das von den Betroffenen weder gewünscht noch akzeptiert, sondern als beleidigend oder diskriminierend empfunden wird. Sie kann sich durch unterschiedliche Gesten, Handlungen und vulgäre Äußerungen zeigen, die verletzend, geschlechts- oder aussehensbezogen beleidigend beziehungsweise anzüglich sind. Dazu zählen auch zweideutige Witze, das ungewollte Zeigen pornografischen Materials sowie belästigende Annäherungsversuche, die dazu dienen, die Würde der betroffenen Person herabzusetzen oder sie zu beleidigen und zu erniedrigen. Es handelt sich somit um ein einseitiges Verhalten, das von den Betroffenen als entwürdigend erlebt wird und sich dadurch deutlich von einvernehmlichen Flirts oder Komplimenten unterscheidet.[1][2]

Sexuelle Belästigung im Chat

Anders als bei der allgemeinen Form der sexuellen Belästigung tritt diese Form hauptsächlich im Internet und somit auch bei Knuddels.de auf. Durch die vermeintliche Anonymität bestärkt, gehen die Täter häufig direkter vor. Dabei kann es sich um Personen handeln, die im realen Leben keinen sexuellen Anschluss finden, einen Fetisch ausleben oder Macht über andere Personen ausüben möchten. Weitere Gründe können ein geringes Selbstwertgefühl, Kommunikationsstörungen oder andere sozialpsychologische Ursachen sein.

Rechtliche Grundlagen

Gemäß § 3 Abs. 4 AGG wird sexuelle Belästigung wie folgt definiert: „Eine sexuelle Belästigung ist eine Benachteiligung in Bezug auf § 2 Abs. 1 Nr. 1 bis 4, wenn ein unerwünschtes, sexuell bestimmtes Verhalten, wozu auch unerwünschte sexuelle Handlungen und Aufforderungen zu diesen, sexuell bestimmte körperliche Berührungen, Bemerkungen sexuellen Inhalts sowie unerwünschtes Zeigen und sichtbares Anbringen von pornographischen Darstellungen gehören, bezweckt oder bewirkt, dass die Würde der betreffenden Person verletzt wird, insbesondere wenn ein von Einschüchterungen, Anfeindungen, Erniedrigungen, Entwürdigungen oder Beleidigungen gekennzeichnetes Umfeld geschaffen wird.“

Bereits eine verbale Belästigung kann ausreichend sein. Dazu zählen beispielsweise:

  • sexuelle Angebote
  • zweideutige Witze oder Sprüche
  • sexuelle Anzüglichkeiten
  • Aufforderungen zu sexuellen Handlungen
  • ehrverletzende Bemerkungen

Weitere relevante Tatbestände sind:

  • sexuelle Nötigung
  • Stalking
  • Vergewaltigung
  • Beleidigung gemäß § 185 StGB[3][4]

Präventionsmaßnahmen

Knuddels bietet neben dem verpflichtenden Medienkompetenztest und dem Jugendschutztest, der für alle Nutzer unter 15 Jahren verpflichtend ist, eine Reihe von Präventionsmöglichkeiten zur Eindämmung sexueller Belästigung im Chat.

Kontaktfilter

Die Einstellung des Kontaktfilters ermöglicht es, bestimmte Gruppen potenzieller Gesprächspartner daran zu hindern, einen Nutzer privat zu kontaktieren.

Dabei ist zu beachten, dass der Kontaktfilter bei Kindern und Jugendlichen bereits altersgerecht voreingestellt ist.[5]

Unerwünschter Gesprächsverlauf

Sexuell motivierte Gespräche sind nicht verboten, solange sie im beiderseitigen Einvernehmen stattfinden und sich niemand dadurch belästigt fühlt. Sollte es dennoch zu einem Privatgespräch kommen, das sexuell anzüglich wirkt, sollte man seinem Gegenüber zunächst deutlich mitteilen, dass dies nicht gewünscht ist.

Sinnvoll ist außerdem die Nutzung der Funktionen /ig beziehungsweise /block, mit denen der weitere Kontakt unmittelbar unterbunden werden kann. Damit ist das Problem in der Regel gelöst, ohne dass man sich an das Meldesystem, einen CM oder einen Admin wenden muss.

Das Meldesystem

Kommt es trotz der genannten Maßnahmen zu unerwünschten sexuellen Gesprächen, obwohl man sein Desinteresse ausdrücklich mitgeteilt hat, oder wird der Kontaktfilter beziehungsweise die Blockierung umgangen, kann der betreffende Nutzer über das Meldesystem gemeldet werden.

Dort wählt man zunächst die Beschwerde über einen anderen Chatteilnehmer und anschließend den Meldegrund „Sexuelle Belästigung“ aus. Danach wird die entsprechende Alterskategorie ausgewählt. Ist man sich unsicher, kann man jederzeit einen CM, Admin oder ein Mitglied des Jugendschutz-Teams um Rat und Hilfe bitten.

Fazit

Knuddels bietet im Gegensatz zu anderen Communitys eine große Bandbreite an Möglichkeiten, sich aktiv gegen sexuelle Belästigung im Chat zu wehren. Dazu gehört auch, Nutzern, die einvernehmliche sexuell motivierte Gespräche führen möchten, einen dafür vorgesehenen Raum anzubieten. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Jugendschutz vernachlässigt wird. Es ist klar geregelt, dass die Inhalte sexuell motivierter Gespräche die dafür vorgesehenen Channel nicht verlassen dürfen, um andere Nutzer vor Belästigungen zu schützen.

Wenn man sich belästigt fühlt, ist es außerdem wichtig, dem Gegenüber klar mitzuteilen, dass das Verhalten nicht erwünscht ist. Da im Chat ein wichtiger Bestandteil der zwischenmenschlichen Kommunikation, nämlich der nonverbale Aspekt, fehlt, können Aussagen auch missverstanden werden. Bei einem unguten Gefühl sollte man sich daher mithilfe der Funktionen /ig beziehungsweise /block aus dem Gespräch zurückziehen, anstatt mit Provokationen zu reagieren.

Die Philosophie von Knuddels beschreibt den Chat als eine Art Bar, in der viele unterschiedliche Menschen mit verschiedenen Interessen zusammenkommen. Überträgt man diesen Vergleich auf den Chat, wird deutlich, dass man sein Desinteresse an einem Gespräch auch dort durch eine klare Zurückweisung und das Beenden des Kontakts zeigen kann.

Wird dieses rücksichtsvolle Verhalten gegenüber den Mitmenschen von jedem Einzelnen mithilfe der zur Verfügung stehenden Mittel konsequent umgesetzt, kann dies dazu beitragen, den vier Säulen der Knuddels-Philosophie gerecht zu werden und sexuelle Belästigung aktiv einzudämmen.

Weiterführende Informationen

Belege